Rallye Dakar 2007: Wüstenduell der Konzepte

      Rallye Dakar 2007: Wüstenduell der Konzepte

      ar - 3. Januar 2007. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Den Jahresbeginn feierten Profis wie Amateure noch zuhause. Die berühmt-berüchtigte Marathonrallye Dakar beginnt diesmal eine Woche später. Vom 6. bis 21. Januar geht ein erneutes Rekordfeld von 525 Teilnehmern auf die wüste Reise. 187 Autos, 250 Motorräder und Quads sowie 88 Trucks begleitet von weitere 300 Servicefahrzeugen stellen sich der Traditions-Tortur über 15 Etappen und knapp 8000 Kilometer vom Start im portugiesischen Lissabon über Spanien, Marokko, Mauretanien und Mali bis zum Ziel am "Lac Rose" vor den Toren der senegalesischen Hauptstadt Dakar.

      Auch zur 29. Ausgabe hat sich wenig geändert: Die Dakar ist noch immer lang, hart und wenig herzlich. Auch in Sachen Spektakel bleibt sich die "wilde Wüsten-Wallfahrt" treu. Pünktlich zu Weihnachten sorgte wieder einmal eine Terrorwarnung für Aufsehen und erste Änderungen an der Route: Das französische Außenministerium erhielt vom Geheimdienst Information, dass radikaler Milizen Störungen rund um Timbuktu planen. Also wurde die nach langer Abstinenz für den 16. und 17. Januar geplante Schleife in Mali geändert.

      Die Herausforderung wird dadurch kaum kleiner. Bei allen motorsportlichen Duellen zwischen Werksmannschaften und Amateuren, zwischen Allrad-Prototypen und Buggy mit Heckantrieb oder Frauenpower gegen echte Männer, der Focus richtet sich vor allem auf das Duell an der Spitze: Beim Zweikampf zwischen Herausforderer Volkswagen und Dauersieger Mitsubishi kommt es auch zum Prestigeduell der Motorenkonzepte Diesel und Benziner.

      Gerade für VW geht es beim fünften Anlauf um viel. Nicht nur weil Audi im Vorjahr mit dem historischen Diesel-Erfolg in Le Mans vorlegte und der Wolfsburger Sieg aus der Dakar-Urzeit mit dem Militärableger Iltis (1980) längst in Vergessenheit geraten ist. Nach Rang drei 2005 und Platz zwei im Vorjahr schickt VW diesmal vier, in allen wesentlichen Bereichen (Motor, Antrieb, Fahrwerk) weiterentwickelte, Race Touareg 2 (2,5l-Fünfzylinder TDI mit Zweistufenaufladung, ca. 285 PS) ins Rennen. Am Steuer der ehemaligen Rallye-Champion und vierfachen Dakar-Sieger Ari Vatanen, der zweimaligen Rallye-Weltmeister Carlos Sainz sowie Giniel De Villiers (im Vorjahr Zweiter) und der US-Amerikaner Mark Miller. Einzige Aufgabe des internationalen Quartetts: den historisch bedeutenden ersten Diesel-Sieg bei der Dakar - koste es was es wolle.

      Die eingespielten Dauersieger von Mitsubishi halten mit der Erfahrung aus über 20 Dakar-Jahren dagegen. Mit einem völlig neuen Pajero Evo (4l-Sechszylinder Saugmotor, ca. 285 PS) peilen die Roten den siebten Erfolg in Serie (12 insgesamt) an. Neben Ex-Skistar und Vorjahressieger Luc Alphand greifen für die französisch-japanische Equipe Hiroshi Masuoka, Nani Roma und "Wüsten-Schumi" Stéphane Peterhansel, allesamt mit zwei oder vier Rädern schon sieggreich, ins Lenkrad.

      Jutta Kleinschmidt, die bisher als einzige Frau die Dakar gewinnen konnte, ist ebenfalls mit von der Partie. Nach Differenzen wechselte die deutsche Wüstenqueen vom VW Race Touareg in einen BMW X3 CC (3l-Sechszylinder Turbodiesel mit Registeraufladung, ca. 285 PS) des hessischen X-raid Teams und teilt sich das Cockpit wieder mit der ebenfalls von VW kommenden Tina Thörner. Zwar sieht man sich bei der privaten BMW X-raid Mannschaft in der Außenseiterrolle, aber mit Kleinschmidt, dem arabischen Allrounder Nasser Al-Attiyah sowie dem französischen Jungtalent Guerlain Chicherit ist auch die zweite deutsche Diesel-Truppe bestens besetzt und könnte VW den angestrebten ersten Selbstzünder-Sieg wegschnappen. Neben den vier Werks-Mitsubishi, den vier Werks-VW plus einem weiteren Race Touareg mit dem portugiesisch-deutschen Duo Carlos Sousa/Andreas Schulz und den drei X-raid BMW darf noch der exzentrische Altmeister Jean-Loius Schlesser mit seinem heckangetriebenen Buggy (5,6l-Achtzylinder Saugmotor, ca, 300 PS) zum Favoritenkreis gezählt werden. Alle anderen müssen kleinere Brötchen backen und sind schon froh, überhaupt das Ziel zu erreichen. (ar/rk)

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